Ein Notfall am Schießstand ist selten – aber wenn er passiert, zählt jede Sekunde.
Eine Schussverletzung ist keine gewöhnliche Verletzung. Sie ist fast immer mit einer potenziell lebensbedrohlichen Blutung verbunden.
Erste-Hilfe-Kenntnisse sind nicht nur im Beruf, sondern auch in der Freizeit und für Mitmenschen von großer Bedeutung. Wissen und regelmäßige Fortbildung in Erster Hilfe sind entscheidend, um in Notfallsituationen sicher und kompetent handeln zu können. Erste-Hilfe-Kurse sind essenziell, um auf Notfallsituationen – auch am Schießstand – vorbereitet zu sein. Effektives Training vermittelt die Fähigkeit, in kritischen Momenten ruhig und handlungssicher zu bleiben.
Deshalb gehört Erste Hilfe am Schießstand zu den wichtigsten Sicherheitsfaktoren für:
- Sportschützen
- Range Owner
- Sicherheitskräfte
- Jagdgruppen
- Vereinsverantwortliche
In diesem Leitfaden erfährst du:
- wie du einen Schießunfall sicher managst
- wie du eine Schussverletzung richtig versorgst
- wann du ein Tourniquet anwenden musst
- wie Woundpacking funktioniert
- wie du die Rettungskette koordinierst
- welche Ausrüstung auf jedem Schießstand vorhanden sein sollte
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Warum Erste Hilfe am Schießstand besonders ist
Ein Schießstand unterscheidet sich deutlich von anderen Notfallorten.
Das Ziel eines klaren Sicherheitskonzepts ist es, die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten und Unfälle zu vermeiden. Der Schießleiter übernimmt hierbei eine zentrale Rolle bei der Organisation und Überwachung der Sicherheit am Schießstand. Ein Sicherheitsprotokoll sollte definierte Rollen und Verantwortlichkeiten für alle Teilnehmer enthalten.
Besonderheiten eines Notfalls am Schießstand
- Waffen sind im Spiel
- mehrere Personen gleichzeitig anwesend
- Lärm, Stress, Adrenalin
- oft abgelegene Standorte
- hohe Dynamik
- das Umfeld und die Umgebung müssen in der Risikoanalyse und Sicherheitsplanung besonders berücksichtigt werden
Das bedeutet:
Erste Hilfe am Schießstand beginnt mit Sicherheit – nicht mit Verbandmaterial.
Schritt 1 – Sicherheit herstellen (Range Safety First)
Bevor du medizinisch eingreifst:
Am Schießstand steht der Eigenschutz immer an erster Stelle. Bevor du einen medizinischen Einsatz durchführst, musst du sicherstellen, dass keine Gefahr für dich oder andere besteht.
Ein strukturierter Einsatz und ein klares Sicherheitskonzept am Schießstand sind notwendig, um Risiken systematisch zu minimieren.
1. Feuer einstellen
- Sofortiges „Cease Fire“. Ein standardisiertes Not-Stopp-Signal wie „STOP! STOP!“ sollte für alle Teilnehmer etabliert werden, um im Ernstfall eine klare und schnelle Reaktion zu gewährleisten. Im Falle eines Vorfalls muss der Schießbetrieb sofort gestoppt werden, um die Sicherheit aller Anwesenden zu garantieren.
- Waffen sichern
- Magazine entfernen
- Sicherheitszustand kontrollieren
2. Lage stabilisieren
- keine Panik
- klare Anweisungen
- Umstehende auf Distanz halten
Das richtige Verhalten in einer solchen Situation ist entscheidend für die Sicherheit aller Beteiligten. Eine schnelle und klare Einschätzung der Situation hilft, angemessen zu reagieren und weitere Gefahren zu vermeiden.
Ein zweiter Zwischenfall ist das größte Risiko.
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Schussverletzung erkennen – was ist kritisch?
Eine Schussverletzung kann:
- Ein- und Austrittswunde haben
- stark bluten
- innere Verletzungen verursachen
- Knochen, Gefäße und Organe betreffen
Schusswunden entstehen durch den Schuss und erzeugen einen Zerstörungskanal, der sich trichterförmig in Schussrichtung ausdehnt. Das umliegende Gewebe wird dabei sowohl in Schussrichtung als auch quer zur Schussbahn verdrängt. Splitter und Projektilfragmente können zusätzlich unterschiedliche Verletzungen verursachen. Die Schwere und Art der Schusswunden werden durch verschiedene Faktoren wie Geschosskonstruktion, Entfernung, Auftreffgeschwindigkeit und das betroffene Gewebe beeinflusst. Die temporäre Wundhöhle, die durch das Projektil entsteht, kollabiert aufgrund der Elastizität des Gewebes fast sofort, sodass nur der Zerstörungskanal zurückbleibt.
Ein normaler Kfz-Verbandkasten ist für die Versorgung von Schusswunden unzureichend. Die richtige Behandlung und Versorgung von Schusswunden ist entscheidend, um das Leben des Verletzten zu retten.
Alarmzeichen
- pulsierende starke Blutung
- schnelle Blutansammlung
- Blässe, Schweiß
- Verwirrtheit
- schneller Puls
- Bewusstseinsveränderung
In nur wenigen Fällen treten diese dramatischen Symptome auf, doch dann muss man sofort handeln und die Situation richtig fällen, um weitere Gefahren abzuwenden.
Bei solchen Anzeichen gilt:
Blutung stoppen hat oberste Priorität.
Die drei Kernmaßnahmen bei Schießunfällen
Bei einer starken Blutung stehen drei Techniken im Fokus:
- Tourniquet
- Woundpacking (Wundtamponade)
- Druckverband
Die Versorgung ist bei Schießunfällen eine prioritäre Maßnahme und muss gut organisiert und koordiniert werden, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten.
Starke Blutungen sollten gestoppt werden, indem die Wunde mit sterilen Kompressen oder einem Druckverband abgedeckt wird. Bei extremen Blutungen an Armen oder Beinen ist zusätzlich Druck auf den entsprechenden Druckpunkt anzuwenden.
Tourniquet anwenden bei Schussverletzung
Ein Tourniquet ist das effektivste Mittel zur Kontrolle einer lebensbedrohlichen Blutung an Extremitäten.
Die Behandlung mit dem Tourniquet ist Teil eines strukturierten Notfallmanagements am Schießstand.
Wann einsetzen?
- starke Blutung an Arm oder Bein
- Blut spritzt oder pulsiert
- schnelle Verschlechterung
Tourniquet Schritt für Schritt
- hoch und straff anlegen
- Band festziehen
- Windlass drehen bis Blutung stoppt
- sichern
- Zeit notieren
- nicht wieder lockern
Typische Fehler
- zu locker
- zu tief angelegt
- Unsicherheit → zu spät eingesetzt
Wichtig:
Ein korrekt angelegtes Tourniquet ist schmerzhaft – aber lebensrettend.
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Woundpacking bei Schussverletzungen im Rumpfbereich
Nicht jede Schussverletzung ist an Arm oder Bein.
Gerade die Versorgung von Schusswunden im Rumpfbereich stellt eine besondere Herausforderung dar und erfordert eine strukturierte Versorgung, um lebensbedrohliche Blutungen schnell und effektiv zu kontrollieren.
Bei Verletzungen in:
- Leiste
- Achsel
- Halsansatz
… ist Woundpacking notwendig.
Wundtamponade Schritt für Schritt
- Wunde freilegen
- Blutungszentrum lokalisieren
- Gaze tief in die Wunde drücken
- konstanten Druck halten
- danach fixieren
Wichtig:
Nicht nur „oben drauf legen“ – sondern wirklich tamponieren.
Druckverband anlegen
Bei kontrollierbaren Blutungen reicht oft ein sauberer Druckverband. Die Behandlung mit einem Druckverband ist eine wichtige Maßnahme zur Blutstillung und sollte im Rahmen der medizinischen Versorgung am Schießstand organisiert und koordiniert werden.
Vorgehen
- sterile Kompresse auflegen
- starken Druck aufbauen
- straff fixieren
- Blutung kontrollieren
- ggf. zweiten Verband oben drauf
Nicht ständig öffnen und kontrollieren – das zerstört Gerinnung.
Rettungskette am Schießstand koordinieren
Ein strukturierter Ablauf ist entscheidend.
Der Rettungsdienst darf den Gefahrenbereich erst betreten, nachdem die Polizei den Raum gesichert und freigegeben hat. Ein festgelegter Raum bzw. ein Treffpunkt für den Rettungsdienst außerhalb der Gefahrenzone muss eingerichtet werden, um eine sichere und effiziente Übergabe zu gewährleisten.
Standardisierte Kommunikation über Funk und die Weitergabe klarer Informationen sind bei einem Schießunfall unerlässlich, um eine schnelle und effektive Versorgung sicherzustellen. Ein strukturierter Notruf und abgestimmte Informationen können die Reaktionszeit und die Wirksamkeit der medizinischen Hilfe maßgeblich beeinflussen.
Checklisten für die Abläufe sollten erstellt werden, damit auch unter Stress alle sicherheitsrelevanten Maßnahmen zuverlässig umgesetzt werden können.
Notruf korrekt absetzen
- Ort (Adresse oder Koordinaten)
- was passiert ist
- Anzahl Verletzte
- Zustand
- Name des Melders
Es ist wichtig, beim Notruf vollständige und klare Informationen zu geben. Nutzen Sie einen standardisierten Notruf, um alle relevanten Informationen strukturiert und verständlich zu übermitteln.
Einweiser organisieren
- Person an Zufahrt stellen
- Rettungskräfte empfangen
- Zugang sichern
- Der Einweiser sollte den Rettungsdienst zu einem sicheren Raum bzw. Übergabepunkt außerhalb der Gefahrenzone führen.
Hypothermie nach Schussverletzungen
Viele unterschätzen:
Blutverlust + Stress → Unterkühlung.
Auch bei mildem Wetter.
Deshalb sollten Verletzte immer hingelegt und warmgehalten werden, um einen Schock zu verhindern und das Leben der Betroffenen bestmöglich zu schützen.
Maßnahmen
- Verletzten isolieren
- Boden isolieren
- Rettungsdecke
- Windschutz
- beruhigen
Unterkühlung verschlechtert die Blutgerinnung massiv.
Welche Ausrüstung gehört auf jeden Schießstand?
Ein professioneller Schießstand sollte mindestens haben:
Nach der Einleitung ist es wichtig zu betonen, dass für den sicheren Betrieb einer Schießstätte im Schießsport geeignetes Material und ein spezialisierter Erste-Hilfe-Kit (IFAK) unerlässlich sind. Das IFAK muss schnell erreichbar sein und sollte zwingend Tourniquets, Druckverbände, blutstillende Gaze, Rettungsdecken und Einmalhandschuhe enthalten. Professionelle Schießstätten stellen hohe Anforderungen an die Ausrüstung und Organisation, um bei Schusswaffenunfällen eine schnelle und effektive Versorgung zu gewährleisten. Im Rahmen des Schießbetriebs ist die sorgfältige Auswahl und Bereitstellung von Material entscheidend, um Risiken zu minimieren und im Ernstfall juristisch abgesichert zu sein.
Minimal-Ausrüstung
- Tourniquet
- Notfallverband
- sterile Kompressen
- Handschuhe
- Rettungsdecke
Erweiterte Ausstattung (empfohlen)
- hemostatische Gaze
- IFAK Sets
- Schere
- Marker
- AED
Noch wichtiger als Ausrüstung:
Training.
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Warum ein Schießstand Notfalltraining entscheidend ist
Im Ernstfall passiert alles gleichzeitig:
- Stress
- Blut
- Lärm
- mehrere Beteiligte
Grundkurse und weiterführende Kurse, wie sie beispielsweise vom Deutschen Roten Kreuz angeboten werden, erfordern keine Vorkenntnisse. Sie vermitteln entscheidendes Wissen und Handlungssicherheit, um möglichst viele Ersthelfer auszubilden. In diesen Kursen werden die Grundlagen der Ersten Hilfe sowie spezielle Module wie Herz-Lungen-Wiederbelebung behandelt. Fortbildung und praxisnahe Kurse, insbesondere zur Herz-Lungen-Wiederbelebung, sind essenziell, um die eigenen Fähigkeiten regelmäßig zu vertiefen und auf dem aktuellen Stand zu halten.
Checklisten und gezielte Fragen im Training helfen, auch unter Stress effektiv zu handeln. Durch das Befragen und das Klären offener Fragen können Risiken minimiert, Verantwortlichkeiten geklärt und eine schnelle Lageeinschätzung ermöglicht werden.
Nur wer ein Trauma Training für Schießstände absolviert hat, kann:
- strukturiert handeln
- Fehler vermeiden
- Blutung stoppen
- Rettungskette organisieren
Ein praxisnaher Erste Hilfe Kurs für Schützen sollte beinhalten:
- Tourniquet anwenden
- Woundpacking üben
- Druckverband unter Stress
- Szenarientraining
- Rollenverteilung
Checkliste – Notfall am Schießstand
Diese Checkliste stellt Teil 1 eines mehrstufigen Sicherheitskonzepts für den Notfall am Schießstand dar.
- Feuer einstellen
- Waffen sichern
- Notruf absetzen
- Blutung stoppen
- Warm halten
- Rettung vorbereiten
FAQ – Erste Hilfe Schießstand
Ist das nur für Profis?
Nein.
Es ist für jeden Schützen relevant.
Reicht ein normaler Erste Hilfe Kurs?
Ein Grundkurs in Erste Hilfe bildet die Basis für alle weiteren Maßnahmen, jedoch wird für den Schießstand ein spezialisiertes Training empfohlen. Für Schießstände ist ein spezialisiertes Training sinnvoller.
Wie lange dauert ein Schießstand Notfalltraining?
Meist 4–8 Stunden, stark praxisorientiert.
Fazit – Sicherheit endet nicht beim Gehörschutz
Ein Schießstand ist nur so sicher wie seine Vorbereitung.
Wer Verantwortung trägt, sollte:
- Blutungen stoppen können
- Tourniquet anwenden können
- Rettung koordinieren können
Klare Abläufe und eindeutig zugewiesene Verantwortlichkeiten helfen, Zweifel und Unsicherheiten im Ernstfall zu vermeiden.

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